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Autor: Stefanie Heil
Artikel vom 12.07.2019

Förderverein DENK-MAL

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Leben und Wirken des Bernhard Hochherr, Zigarrenfabrikant in Massenbachhaussen
 
Im Nachgang zu unserem Bericht in der vergangenen Woche, ein Rückblick auf sein Leben.
Bernhard Hochherr wurde 1870 als 4. von 12 Kindern der Eheleute Levi Hochherr und Hännchen Kahn in Berwangen geboren. Mit nur 28 Jahren eröffnete er 1898 in Massenbachhausen seine erste Fabrik. 1900 heiratete er Maria Wertheimer und zog von Berwangen nach Massenbachhausen.
Im Laufe der Jahre verlegte er seine Fabrik in Kirchhausen nach Massenbachhausen, somit gab es zwei Produktionsstandorte, in der Fürfelder Straße und in der Sinsheimer Straße, ehemals Berwanger Straße. 1901 wurde seine erste Tochter Ilka in der Fabrik geboren. 1908 verzog die Familie nach Heilbronn. Seine zweite Tochter Hilda wurde 1909 geboren und wenige Monate später starb seine Frau Maria mit nur 31 Jahren. Bernhard heiratete 1910 ein zweites mal, nachdem er Ida Reis in der jüdischen Gemeinde in Massenbach, deren Mitglied er war, kennengelernt hatte. Ida Reis war die Tochter des letzten jüdischen Lehrers in Massenbachhausen. Aus dieser Ehe ging 1913 Gretchen hervor. Das Unternehmen wuchs stetig und um 1910 nahm er seine Brüder Simon und Ferdinand als Teilhaber mit in das  Unternehmen. Wenig später hat er sich aus dem Unternehmen zurückgezogen und in Heilbronn eine Vertriebsfirma für "Rohtabak en gros und Zigarren" eröffnet. In den Steuerunterlagen der 1920 und 1930er Jahre wird er als Zigarrenvertreter geführt, was den Schluss nahe legt, dass er für seine beiden Brüder, die mittlerweile den Hauptsitz des Unternehmens nach Heidelberg verlegt hatten, als Vertreter arbeitete. 1936 verließ er Heilbronn und sein sozialer Abstieg begann. Er wohnte im jüdischen Seniorenheim in der Wagenburg Straße in Stuttgart. Seine bisherigen finanziellen Zuwendungen, Firmenrente, Unterstützung durch seine Brüder Simon und Ferdinand, sowie durch seine Tochter Grete und einem Herrn Hirsch, der nach USA ausgewandert war,  wurden durch die Gestapo gestoppt, was dazu führte, dass ihm die Jüdische Kultusgemeinde das Essensgeld stundete. Er war inzwischen mittellos. Im Dezember 1941 wurde er, auf Anordnung höherer SS Führer, nach Eschenau deportiert. Am 22. August 1942 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt, wo er am 31. Aug. 1942 starb. Sein Lebenswerk in Massenbachhausen, Walldorf und Heidelberg wurde zerschlagen und 1938 "ariesiert" Bernhard Hochherr, der vielen Hausemer Familien Arbeit und Brot verschaffte und den Bauern mit dem Anbau von Tabak eine gesicherte Existenz ermöglichte, soll vor dem Vergessen bewahrt werden. Heilbronn ehrte am 1. Juli 2019 Bernhard Hochherr und seine Tochter Grete durch die Verlegung zweier Stolpersteine vor dem Haus in der Frankfurter Str. 39 in Heilbronn, wo seine letzte, frei gewählte Adresse war.